Selten hat ein Link auf unseren Agenturverteilern für mehr Aufregung gesorgt. Das SZ-Magazin fragt “Gut oder böse?” und bezieht dies auf das Internet. Ausgerechnet! Als hätten wir nicht schon genug darüber diskutiert. Es sieht jedenfalls nach einer neuen Runde Aufeinanderhauen und Lobo auf allen Kanälen aus.
Auf der einen Seite stehen diejenigen, die dem bösen Netz und den dortigen Protagonisten nichts abgewinnen können. Wir kennen das: Was mussten die Blogger sich anfangs nicht alles von den professionellen KOLLEGEN gefallen lassen! Laienjournalisten, fehlerhafter Berichterstattung, Nerds und Studenten, die doch kein Recht auf die begehrte Gatekeeperrolle hätten. So ging das eine Weile.
Doch irgendwann ließen diese Blogger sich nichts mehr gefallen. Sie wurden selbstbewusster, verteidigten ihr Revier, lancierten erfolgreich Skandale, organisierten aufsehenerregende Großkonferenzen und ließen die PROFESSIONELLEN Kollegen manchmal ganz alt aussehen. Sie wurde trendy, diese Internetgeschichte und Social Media löste das Web 2.0 ab. Doch – wie sollte es anders – dann folgte Payback, folgte die Antwort . Qualität war wieder das Stichwort. Oder war einfach alles nur zuviel? Wie konnten diese (mittlerweile gut angezogenen und gepflegten) jungen Leute nur die Podien dieser Republik erobern?
Dieses Theater erinnert ans Armdrücken. Mal haben die einen Oberwasser, dann wieder die anderen. Mal gibt es Internetsperren, dann wieder nicht, dann hagelt es Qualitätskritik, dann wieder Enthüllungsbloggerismus.
Und man fragt sich: Muss das denn sein?! Können wir nicht dieses schwarz-weiß, gut-böse einfach mal sein lassen? Ja, man findet im Internet Bombenanleitungen, Kinderpornos und sicherlich auch Tipps, wie man Schnecken am Besten quälen kann. Aber ja, es gibt auch Wikipedia und Iran und ganz viele lustige Youtube-Katzen-Videos. Menschen streiten und Menschen lieben. Ist das ein Grund sich aufzuregen? That’s life! (Und genau das hat übrigens das SZ-Magazin thematisiert).
Die Menschen, die weder in den Medienhäusern noch im St. Oberholz sitzen, sind da übrigens meist schon weiter: Die lesen ihre Bild-Zeitung und freuen sich, dass man den Neffen bei wer-kennt-wen gefunden hat. Alles kein Drama.











Und deshalb: Kein Kommentar.
Hallo Harald, finde ich einen sehr guten Impuls für einen differenzierten Diskurs zum Social Media/Internet! Meine Vermutung allerdings: die Wahrnehmung des Themas ist selbst bei Netznutzern höchst divergent und emotional besetzt. Das kommt auch bei Peter Kruses Vortrag auf der re:publica sehr gut raus, wo er Einstellungen und Wahrnehmungen von “digital residents” und “digital visitors” vergleicht: http://i.LMH.info/kruse2 Meine Hoffnung: Auf Dauer werden naive Netz-Euphemisten reifer und oberkritische Offliner online-affiner. Bis dahin bleibt es eine spannende Zeit, in der viel ausprobiert, problematisiert (und leider oft dramatisiert) wird, nach der wir uns irgendwann zurücksehnen werden. Die Pubertät des Internets? Ist ja vor ein paar Tagen erst 17 geworden… Viele Grüße @LMH
Was denn nun: mehr Schaerfe oder kein Drama? Auf jeden Fall interessanter als die Weichspuelerei hier. Auch die, kein Drama, aber gemessen am selbst gesetzten Anspruch alles andere als ein Kurswechsel.