Dek 21 - Deklaration für einen Kurswechsel in der Medienlandschaft - 21 Thesen für eine schärfere Kommunikation

Archiv für 2010

23. August 2010 // Johannes Buzási

Dek21 gewinnt red dot design award

Unsere 21 Thesen sind ja nicht nur auf dieser Website, sondern auch in einem, wie wir finden, ausgesprochen schönem Heft zu finden. Jede einzelne These wurde hier gestalterisch über- und umgesetzt. Dass das äußerst ansprechend gelungen ist, haben wir jetzt sogar amtlich: Das Heftchen wurde gerade mit dem renommierten red dot design award ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch an unsere Design-Kollegen von Ligalux, die diese preisgekrönte Gestaltung verantwortet haben!

Mehr Infos zum Award: http://www.red-dot.de/

27. Juli 2010 // Johannes Buzási

Wetterfestes Standing

Es war wieder eines dieser Rankings, mit dem jüngst “Die Welt” ihre Leser aufrüttelte: “Diese Topmanager haben ein Imageproblem”. Hintergrund des Artikels war eine (regelmäßige) Analyse von Media Tenor, die untersucht, wie die Führungskräfte des Deutschen Aktien Index (DAX) in den Medien erscheinen. Aktuell ergibt sich dabei ein eigentlich banales Bild: Als es der Wirtschaft vor kurzem noch schlecht ging, erschienen die Manager auch in einem negativen medialen Bild. Nun, wo es langsam wieder aufwärts geht, verbessert sich die Berichterstattung.

Grundsätzlich muss ich dazu sagen: Es ist ein Irrglaube, dass Medienberichterstattung auch das Ansehen von Menschen und Unternehmen widerspiegelt. Nicht das Image der Manager hat in der Bevölkerung gelitten – denn das wurde mit der Studie nicht erhoben – sondern das, was in den Medien über die Vorstände geschrieben wurde. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Zurück zur Untersuchung: Auffällig zunächst, dass einige Manager nicht von der allgemein besseren Stimmungslage profitieren. Neben dem – nur wenig überraschenden – Deutsch-Banker Josef Ackermann tauchen auch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (Aschwolke) und Martin Blessing von der Commerzbank (Gehaltserhöhung trotz Staatsbeteiligung) in der Liste der Buhmänner auf.

Weniger bemerkenswert als diese Ausreißer finde ich hingegen, dass alle gelisteten Topmanager den Launen von äußeren Umständen unterworfen zu sein scheinen. Nach dem Motto: Geht’s gut, findet man sie gut. Geht’s schlecht, sind sie an allem Schuld. Und letzten Endes kann man nur hoffen, dass Krisen schnell vorüberziehen… Diese externen Faktoren, wie eben die wirtschaftliche Gesamtentwicklung oder auch einzelne, individuelle Probleme und Krisen, machen deutlich, wie wenig Manager an der eigenen unmittelbaren Berichterstattung ausrichten können. Denn anzunehmen, dass der, in der Studie hochgelobte Bill McDermott (SAP) automatisch ein besser kommunizierender Manager als Wolfgang Mayrhuber sei, ist eine Null-Aussage. Was kann letzterer denn für ein tagelanges Flugverbot? Und was passiert, wenn SAP sich wieder eine Preis-Debatte mit den Kunden leistet?

Es ist wichtig, über Image zu reden und sich auch an dem zu orientieren, was gesagt und geschrieben wird. Allerdings zeigt diese Analyse auch, dass man sein eigenes Handeln unabhängig von den Launen der “Natur” (von Aschewolke bis Gehaltsdebatten) machen muss, um sich auf das zu fokussieren, was dauerhaft relevant ist: Was ist die gesellschaftliche Rolle und Funktion des Unternehmens? Und welche Aufgabe erfüllt der CEO?

Es geht nicht um Konfliktvermeidung oder Weggucken, wenn dunkle Wolken aufziehen – im Gegenteil! Es geht um das öffentliche Argumentieren bei Auseinandersetzungen, das auf langfristige Planung beruht. Es geht um nachhaltige Präsenz in den Medien, die sich nicht nur an kurzfristigen Entwicklungen orientiert. Es geht um gemeinsame Allianzen, die den Sinn und Zweck eines Unternehmens gesellschaftlich legitimieren und weiterbringen können. Nicht Bestnoten in Analysen wie dieser ist dabei das oberste Ziel, sondern die kommunikative Leistung, dauerhaft und nachhaltig auch bei Widerspruch oder Kritik prägen und führen zu können.

21. Mai 2010 // Johannes Buzási

Lesetipp: PR-Journal

Andreas Vill macht sich im PR-Journal Gedanken zum Thema Kommunikationsprokura. Den Gastbeitrag gibt es hier zu lesen.

30. April 2010 // Johannes Buzási

Goodbye Dramaqueen!

Selten hat ein Link auf unseren Agenturverteilern für mehr Aufregung gesorgt. Das SZ-Magazin fragt “Gut oder böse?” und bezieht dies auf das Internet. Ausgerechnet! Als hätten wir nicht schon genug darüber diskutiert. Es sieht jedenfalls nach einer neuen Runde Aufeinanderhauen und Lobo auf allen Kanälen aus.

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die dem bösen Netz und den dortigen Protagonisten nichts abgewinnen können. Wir kennen das: Was mussten die Blogger sich anfangs nicht alles von den professionellen KOLLEGEN gefallen lassen! Laienjournalisten, fehlerhafter Berichterstattung, Nerds und Studenten, die doch kein Recht auf die begehrte Gatekeeperrolle hätten. So ging das eine Weile.

Doch irgendwann ließen diese Blogger sich nichts mehr gefallen. Sie wurden selbstbewusster, verteidigten ihr Revier, lancierten erfolgreich Skandale, organisierten aufsehenerregende Großkonferenzen und ließen die PROFESSIONELLEN Kollegen manchmal ganz alt aussehen. Sie wurde trendy, diese Internetgeschichte und Social Media löste das Web 2.0 ab. Doch – wie sollte es anders – dann folgte Payback, folgte die Antwort . Qualität war wieder das Stichwort. Oder war einfach alles nur zuviel? Wie konnten diese (mittlerweile gut angezogenen und gepflegten) jungen Leute nur die Podien dieser Republik erobern?

Dieses Theater erinnert ans Armdrücken. Mal haben die einen Oberwasser, dann wieder die anderen. Mal gibt es Internetsperren, dann wieder nicht, dann hagelt es Qualitätskritik, dann wieder Enthüllungsbloggerismus.

Und man fragt sich: Muss das denn sein?! Können wir nicht dieses schwarz-weiß, gut-böse einfach mal sein lassen? Ja, man findet im Internet Bombenanleitungen, Kinderpornos und sicherlich auch Tipps, wie man Schnecken am Besten quälen kann. Aber ja, es gibt auch Wikipedia und Iran und ganz viele lustige Youtube-Katzen-Videos. Menschen streiten und Menschen lieben. Ist das ein Grund sich aufzuregen? That’s life! (Und genau das hat übrigens das SZ-Magazin thematisiert).

Die Menschen, die weder in den Medienhäusern noch im St. Oberholz sitzen, sind da übrigens meist schon weiter: Die lesen ihre Bild-Zeitung und freuen sich, dass man den Neffen bei wer-kennt-wen gefunden hat. Alles kein Drama.

22. April 2010 // Harald Ehren

Qualitätslüge der Gatekeeper

Ich weiß ja nicht, ob Sie jemals in ihrem Leben den Wunsch gehegt haben, Türsteher zu werden oder so was wie „immer-auf-der-Gästeliste-stehen“. Also ich habe so einen Job nie angestrebt, obwohl ich durchaus die Profession des Türstehers nicht mehr verachte. Wohl auch deshalb, weil ich im Gegensatz zu früher, als ich noch als zotteliger Journalist unterwegs war, in die Läden ohne Murren reinkomme. Liegt bestimmt an meinem Alter und der Ausstrahlung, genügend Kohle in dem betreffenden Etablissement zu lassen.

Nein, ich wollte nie Türsteher, sondern immer Journalist werden. Irgendwie auch eine Form von „Gatekeeper“. Einer, der halt für andere denkt. Der Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann und neutral, unmanipuliert seinen Lesern, Zuhörern oder Zuschauern irgendwie die Welt erklärt. Immer eingedenk des niemals unaktuellen Satzes von Hanns-Joachim Friedrichs: „Mache Dich als Journalist nie gemein mit einer Sache, mag sie auch noch so gut sein“.

Warum diese Vorrede? Weil ich für Klarheit und Schärfe plädiere. Journalisten sollen Gatekeeper sein und PR-Berater sollen sie dabei unterstützen. Nur ist derzeit an dieser Stelle einiges durcheinander geraten.

Es hat hier schon einige sehr prägnante und teilweise – sorry, für die Publikumsbeschimpfung – verschwurbelte Kommentare und Selbstdarstellungen gegeben. Diese Beiträge – auch in externen Blogs und Foren – lassen sich indes leicht in zwei Lager spalten: die einen fragen sich, was dek21 eigentlich soll, wohin es führt und ob es überhaupt weiterführt. Die anderen fühlen sich provoziert, in ihrer Standesehre angegriffen oder halten es wie der öffentlich-rechtliche Dauertalkgast Klaus Kocks in seinen Aufritten bei Will, Maischberger oder Plasberg: was kümmert’s mich, Hauptsache ein nettes Bonmot zum Besten geben.

Indes hat niemand bisher die Frage diskutiert, wie Kommunikation demnächst überhaupt aussehen soll. „Wie geht es weiter?“ fragt aktuell auch Brandeins. Und stellt die einzig richtige Sinnfrage. Ich antworte: so geht es auf jeden Fall nicht weiter. Mit Journalisten die trotz oder gerade wegen der Abbauschlacht in den Medien der Qualtitätslüge verfallen. Und PR-Beratern, die hilflos lamentierend daneben stehen, statt Alternativen zu ihrem Wirtstier zu finden.

Was aus meiner Sicht die Nichtversteher und Schaumschläger aus der PR-Branche mit den Ignoranten in den Reihen der Journaille vereint, ist pure Angst. Die Angst abgehängt zu werden. Nicht mehr up-to-date zu sein. Im aktuellen Kondratieff nicht mehr mitspielen zu können.

Bei den Journalisten ist es schlicht die Angst, die Rolle des „Gatekeeper“ zu verlieren. Ein sehr schönes Beispiel für die Beißreflexe der „Papiermenschen“ gegen Blogger und umgekehrt findet sich bei Thomas Knüwers Blog Indiskretion Ehrensache zur jüngsten re:publica 10. In seinem Blog erwähnt Knüwer unter anderem einen Autoren der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der sich über „zottelige Blogger“ ausmährt. Knüwer regt sich darüber auf. Kein Wunder, möchte man denken. War er doch früher auch ironiebefreiter Redakteur des Handelsblatts, bei dem die titaniceske Näherung an Themen sicherlich nicht in der Tradition steht. Was sich aber in dem Aufeinandertreffen von zwei ironiefreien Journalisten sehr schön ablesen lässt.

Nun diskutieren wir also über iPad-Apps und wie diese den Journalismus retten werden, könnten, sollten. Wir reden über Newsrooms und Laienreporter (weitere Rettungsanker). Wir erfahren, dass die PR-Branche eine ganz schmuddelig-schmutzige Angelegenheit ist. Wir debattieren Kanäle und keine Inhalte. Daran krankt die Blogger-Diskussion. Daran krankt die Journalismus-Debatte. Und daran krankt auch das PR-Bashing. Es geht nicht um Channels – Content is King. Nein, Content is Kaiser. Wir werden uns die gesellschaftliche Relevanz von Journalismus und auch die gesellschaftliche Wichtigkeit von PR nicht erhalten, indem wir Apps entwickeln.

Sascha Lobo nannte den Zustand des Journalismus kürzlich in der Süddeutschen Zeitung die „Schockstarre des Rehs“. Ja, es ist wichtig, über die Zukunft der Geschäftsmodelle zu debattieren. Doch genau wie die Schockstarre ist wilder (Social Media-)Aktionismus fehl am Platz: Muss ein guter Journalist tatsächlich auch ein Premium-Twitterer sein? Wollen die Menschen ihre Nachrichten in 140 Zeichen? Oder geht es nicht vielmehr um einen Journalismus der im medialen Geschwindigkeitsrausch Zusammenhänge schafft? Der erklärt. Der nicht aalglatte Agentur-Meldungen abschreibt, sondern die Inhalte dahinter zu gesellschaftlichem Leben erweckt.

Das ist ein Journalismus, der sich nicht überflüssig macht, und den ich mir wünsche.